Ligna
theater macht schule begegnet LIGNA
Die in Hamburg ansässige Radiogruppe LIGNA existiert seit 1995 und macht seither auf lokaler wie auf überregionaler Ebene immer wieder mit innovativen Theater- und Performanceproduktionen von sich reden.
Radio hören als gemeinschaftliche Aktion
Ihr Medium ist das Radio - die Gruppe experimentiert mit den Effekten der
Radioausstrahlung in privaten und öffentlichen Räumen. Im Mittelpunkt
ihrer Aufmerksamkeit stehen dabei die Rezeptionssituation und ihr performatives
Potenzial. LIGNA begreift und organisiert die HörerInnen als zerstreutes
Kollektiv: Wer Radio hört, ist Teil einer Konstellation mit vielen
anderen.
Indem das gemeinsame Radiohören vom heimischen Wohnzimmer in den öffentlichen
Raum, getragen wird, wird diese Gemeinschaft direkt für die Teilnehmenden
erfahrbar.
Auf Erkundungstour – performatives Radiohören im öffentlichen
Raum
Beim Radioballett in Fußgängerzonen, auf öffentlichen Plätzen
und Bahnhöfen, geht es meistens um die Ordnungsmechanismen des öffentlichen
Raums:
- Wie begibt man sich in einen bestimmten Raum?
- Wie ist ein Raum strukturiert?
- Welche Verhaltens- und Erscheinungsformen sind unausgesprochen von welchen öffentlichen Räumen gefordert?
Vom passiven Medienkonsumenten zum »MedienAkteur«
Auditive Medien wie iPods und mp3-Player nehmen einen großen Raum im
Alltagsleben und Selbstverständnis Jugendlicher ein. Auf den ersten
Blick bietet das Radioballett den Jugendlichen also einen nicht zu unterschätzenden
Wiedererkennungseffekt, ein Identifikationsangebot, und kann damit Berührungsängste
mit der Kunstform Performance mindern.
Mit Kopfhörern bewaffnet, aus denen mir auch noch gesagt wird, was ich
zu tun habe, auf der Straße aufzutreten, ist doch wohl easy!
mag sich manch Jugendlicher denken.
Bei genauerer Betrachtung geht es aber darum, die Jugendlichen auf einem
Entwicklungsprozess zu begleiten, der sie von passiven Medienkonsumenten
zu Medienproduzenten und somit zu echten Akteuren macht.
Partizipation und Entdeckergeist in der Gruppe
Wie bereits bei ihren anderen Produktionen wird LIGNA auch beim Radioballett
mit Hamburger SchülerInnen prozessual arbeiten.
LIGNA selbst beschreiben ihre Arbeit so:
Wir präsentieren keine fertigen Ergebnisse, sondern organisieren Situationen,
für und mit anderen.
Keinesfalls wird es also eine fertige Choreografie geben, mit der man an
die SchülerInnen herantritt und sie damit lediglich zu Ausführenden
macht, stattdessen sind es die Jugendlichen, die ihre Erzählung
selbst entwickeln und produzieren.
Indem die Jugendlichen die ungeschriebenen Gesetze des öffentlichen
Raumes, seine Regeln und Rituale, erforschen, lernen sie diese nicht nur
kennen und verstehen, sondern sie partizipieren auch ganz bewusst und direkt
an der gesellschaftlichen Realität.
Wer aber partizipiert, ist in den Stand gesetzt zu hinterfragen, eigene Positionen
zu finden und zu artikulieren. Insofern leistet das Radioballett einen wichtigen
Beitrag zur Demokratieerziehung junger Menschen.
Das Radioballett bei tms 2009 wird etwa 100 Hamburger Schüler und Schülerinnen unterschiedlicher Jahrgänge, Stadtteile und Schulformen zusammenführen.
Die Uraufführung wird in der Festivalwoche vom 08. bis 12. Juni 2009 stattfinden.
Dieses Projekt wird realisiert zusammen mit der ZEIT Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.
